#09 — Zero Level

von | 3. August 2017

Ein wichtiger Grund, warum ich aus München nach Iphofen gezogen bin, war, dass Menschen auf den Iphöfer Straßen einander anschauen, sich meist anlächeln und freundlich grüßen, statt mit gesenktem Kopf und ohne einen Blick aneinander vorbeizurennen. Tja, dann komme ich nach Freiburg, und was passiert mir selbst? Ich schaue nur noch auf den Boden! In der Freiburger Altstadt gibt es nämlich so viel Schönes auf dem Boden zu entdecken: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts durchziehen herrliche Pflastermosaiken Gassen, Plätze und Bürgersteige in der City. Den Anfang dieser Kunst machte ein Pflasterermeister, inspiriert durch Pflastermosaiken in Frankreich, und die Stadt setzt diese Tradition heute noch fort. Stadtplaner haben in Freiburg anscheinend über Jahrzehnte hinweg einige richtige Entscheidungen getroffen.

Eine weitere Besonderheit in Freiburg sind die offenen »Bächle«, die gute 8 Kilometer lang oberirdisch durch die Stadt fließen. Ich war an einem schönen Sommertag in der Altstadt und habe erlebt, wie viel Spaß und Lebensfreude diese Wasserläufe den Menschen spenden: Groß und Klein veranstalten zum Beispiel mit bunten kleinen Holzbooten vom REHA Verein Bootsrennen in den Bächern, Leute setzen sich mit nackten Füßen im Wasser am Straßenrand und unterhalten sich oder machen eine kleine Pause. An »guten Tagen« werden übrigens bis zu 3000 Holzboote in der Innenstadt verkauft – der Erlös fließt wieder in die Projekte des Vereins.

In Freiburg habe ich gern auf den Boden geschaut, und ich habe mich (trotzdem?) mit vielen Menschen unterhalten: Hundebesitzer, Pärchen mit nackten Füßen im Wasser und Eltern von bootsspielenden Kindern habe ich um Fotoerlaubnis gebeten und durchwegs nur freundliche Reaktionen bekommen. Das Zero Level in Freiburg sorgte in meinem Fall für mehr Kommunikation – für mich war das eine tolle Erfahrung. Danke!

Wie war’s?

Alle Fotos habe ich mit mehr oder weniger parallel zum Boden gehaltener Kamera gemacht – ich wollte durchgängig den Blick von oben zelebrieren. Die dreieckige Form des Buches soll an die Holzboote erinnern, die Falttechnik ist inspiriert durch die Bächle, und die Fotos sind angeordnet wie ein Pflastermosaik. Voilà, hier ist das 9. Buch von »99 Büchern«.

Danke

Ein besonderes Dankeschön an Karin Keith, die als »Mittäterin« in Freiburg mit dabei war, die die wunderbare Idee mit dem Buchtitel hatte, und die mir tatkräftig beim Dummy-Bauen geholfen hat.

Eckdaten

  • Format geschlossen: 14,8 x 12,6 cm / offen: 96 x 27,6 cm
  • Umfang: 46 (dreieckige) Seiten + 2 Seiten Umschlag + 1 Schuber
  • Druck und Material: Laserprint auf Mondi Color Copy 90 g/qm (Inhalt) und Fineart Print auf Tecco Rag, 295 g/qm (Schuber)
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