#06 — Hineni

von | 13. Juli 2017

Wie schön »Hineni« doch klingt! Es bedeutet »hier bin ich«, und ist laut Experten der mächtigste Ausdruck der hebräischen Sprache für menschliche Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, eine Aufgabe mit eindeutiger Verpflichtung und Präsenz zu erledigen. Ich habe das Wort am letzten Sonntag in der St. Michaels Kirche auf dem Schwanberg kennengelernt. Dr. Jürgen Körnlein hielt an diesem Tag eine Predigt über den brennenden Dornbusch und Moses Begegnung mit Gott (2. Mose 3).

Die Predigt traf mich mitten ins Herz: Ich glaube zutiefst daran, dass jeder von uns mit einer konkreten Aufgabe auf die Welt kommt. Dies kann man Berufung nennen, Talent oder Schicksal; man kann es jedenfalls am besten durch das Feuer festmachen, das tief in einem drin brennt. In meinem eigenen Leben bestand und besteht die erste Schwierigkeit hinsichtlich meiner Berufung darin, diese überhaupt zu erkennen; der zweite Schritt ist, die Berufung anzunehmen, und die dritte schließlich, mein Leben danach zu richten. Zwischendurch kommen dann noch die Zweifel dazu, ob ich tatsächlich auf dem richtigen Weg bin, und ob ich wirklich Gottes Stimme gehört, oder sie mir nur eingebildet habe. Und dann sind da noch die Niederlagen und das Scheitern.

So geschehen bei mir mit der Gründung meiner Schule 2015. Wie sicher ich doch war, auf dem richtigen Weg zu sein und meiner Berufung zu folgen! Fast zwei Jahre lang habe ich mich auf die Gründung vorbereitet – ich wollte alles richtig machen und bin letzen Endes doch kolossal gescheitert. Danach den Mut und den Glauben nicht zu verlieren, war übrigens auch eine Herausforderung!

Wie war’s?

Ganz ehrlich? Die intensive Beschäftigung mit diesem Thema hat mich wieder mächtig in den Abschiedsschmerz von meiner Schule geworfen. Das verarbeite ich wohl immer noch, und diese Ausgabe von »99 Büchern« war ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Heilung. Danke dafür!

Passend zum religiösen Bezug habe ich ein Format im goldenen Schnitt ausgewählt und mich für einen Altarfalz entschieden. Die Bibelstelle mit dem brennenden Dornbusch habe ich in den letzten Tagen oft gelesen und habe daraus Begriffe ausgewählt, die mich emotional berührt haben. Außerdem habe ich weitere Begriffe aus meinem eigenen Leben dazu genommen, die ich mit dem Thema in Verbindung bringe. Nummer 06 ist also eine reine Reflexion über mein Tun und mein Leben der letzten Jahre geworden. Inspiriert in »meiner« Herzenskirche St. Michael auf dem Schwanberg und von einem Bibeltext. Das freut mich.

Bei meinen Recherchen für dieses Buch bin ich auf einen Song von Leonard Cohen gestoßen: »You Want It Darker«. Cohen spricht (singt) hier zwar das »Hineni« in einem völlig anderen Sinn, als ich in meinem Buch, aber er demonstriert die enorme Stärke dieses Wortes sehr intensiv und spürbar. In der Süddeutschen Zeitung gibt es einen kurzen Artikel darüber und hier den Song zum Anhören.

Eckdaten

  • Format geschlossen: 11,5 x 18,6 cm / offen: 42 x 18,6 cm
  • Umfang: 8 Seiten + 4 Seiten Umschlag
  • Schriften: Mentor von Michael Harvey und Andy Benedek, 2004
  • Druck und Material: Fineartprints auf Hahnemühle Photo Rag Duo, 276 g/qm
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